Die Debatte zwischen passivem Indexinvesting durch ETFs und aktivem Fondsmanagement beschäftigt Anleger weltweit. Welche Strategie ist für Schweizer Investoren besser geeignet? Wir analysieren beide Ansätze im Detail.

Was sind ETFs?

Exchange Traded Funds (ETFs) sind börsengehandelte Indexfonds, die einen bestimmten Index wie den SMI oder S&P 500 nachbilden. Sie investieren passiv in alle Wertpapiere des Index entsprechend deren Gewichtung. ETFs sind transparent, kostengünstig und bieten breite Diversifikation mit einer einzigen Transaktion.

Die Kostenquote (TER) bei ETFs liegt typischerweise bei 0,1-0,5% jährlich. Bei Schweizer Aktien-ETFs oft bei 0,15-0,35%, bei internationalen noch günstiger. Diese niedrigen Kosten sind ein wesentlicher Vorteil, da jeder nicht gezahlte Franken in Ihrem Portfolio arbeiten kann.

Aktiv gemanagte Fonds erklärt

Aktive Fonds werden von professionellen Fondsmanagern verwaltet, die durch Wertpapierauswahl und Timing den Markt schlagen wollen. Sie analysieren Unternehmen, führen Research durch und treffen aktive Kauf- und Verkaufsentscheidungen. Das Ziel: eine Rendite oberhalb des Marktindex zu erzielen.

Die Kosten aktiver Fonds sind deutlich höher – typischerweise 1-2,5% jährlich, manchmal mehr. Hinzu kommen oft Ausgabeaufschläge von 3-5% beim Kauf. Diese Kosten müssen durch Mehrrendite kompensiert werden, damit sich das aktive Management lohnt.

Der Kostenvergleich in Zahlen

Betrachten wir ein Beispiel: Sie investieren CHF 100'000 über 25 Jahre mit 7% jährlicher Rendite vor Kosten. Bei einem ETF mit 0,2% TER haben Sie nach 25 Jahren CHF 520'000. Bei einem aktiven Fonds mit 1,5% Kosten nur CHF 420'000 – ein Unterschied von CHF 100'000!

Aktive Fonds müssen also deutlich mehr als 1,3% Mehrrendite pro Jahr erzielen, nur um diese Kosten auszugleichen. Historische Daten zeigen: Langfristig schaffen das nur 15-20% aller aktiven Fonds. Der Kostenvorteil von ETFs ist mathematisch schwer zu schlagen.

Performance-Vergleich: Was sagen die Daten?

Zahlreiche Studien belegen: Langfristig schlagen passive Indexfonds die Mehrheit aktiver Fonds. In der Schweiz performen etwa 70-80% der aktiven Aktienfonds über 10 Jahre schlechter als ihre Benchmark. International sind die Zahlen ähnlich. Die Gründe: hohe Kosten, ungünstiges Timing und Underperformance bei der Titelauswahl.

Kurzfristig kann ein guter aktiver Manager durchaus überdurchschnittliche Renditen liefern. Das Problem: Im Voraus zu identifizieren, welcher Manager zukünftig outperformen wird, ist nahezu unmöglich. Past Performance ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse.

Vorteile von ETFs

Neben niedrigen Kosten bieten ETFs weitere Vorteile: vollständige Transparenz (Sie wissen jederzeit, was Sie besitzen), hohe Liquidität (Sie können jederzeit kaufen und verkaufen), Flexibilität (es gibt ETFs für praktisch jeden Markt), und keine Mindestanlagesummen bei vielen Brokern.

ETFs ermöglichen es auch kleineren Anlegern, breit diversifiziert zu investieren. Mit einem Welt-ETF besitzen Sie Anteile an Tausenden Unternehmen global. Diese Diversifikation würde bei Einzelaktien enorme Summen erfordern. Zudem gibt es keine Schließungen – bei erfolgreichen aktiven Fonds werden oft Neuanlagen gestoppt.

Wann können aktive Fonds sinnvoll sein?

Trotz der Nachteile haben aktive Fonds ihre Berechtigung in bestimmten Situationen. In ineffizienten Märkten wie Schwellenländern, Small Caps oder Nischensektoren können gute Manager Mehrwert schaffen. Auch bei Anleihen und alternativen Anlagen ist aktives Management oft sinnvoller.

Einige Anleger schätzen auch den persönlichen Aspekt – einen Fondsmanager mit klarer Philosophie und nachvollziehbarer Strategie. Wenn Sie sich für aktive Fonds entscheiden, wählen Sie sorgfältig: Track Record über mindestens 5-10 Jahre, konsistente Strategie, vernünftige Kosten und klare Kommunikation sollten gegeben sein.

Kombinations-Strategie: Core-Satellite-Ansatz

Eine pragmatische Lösung ist der Core-Satellite-Ansatz. Der Kern (Core) Ihres Portfolios besteht aus kostengünstigen ETFs, die breite Märkte abdecken – beispielsweise 70-80% des Portfolios. Die Satelliten sind aktive Fonds oder Einzelinvestments in Nischenbereichen, wo Sie Outperformance-Potential sehen.

Dieser Ansatz kombiniert die Kostenvorteile und Diversifikation von ETFs mit dem Potential aktiver Strategien in ausgewählten Bereichen. So minimieren Sie das Risiko, dass teure aktive Fonds Ihre Gesamtrendite schmälern, während Sie gezielt Chancen nutzen können.

ETF-Auswahl: Worauf achten?

Nicht alle ETFs sind gleich. Achten Sie auf: Fondsvolumen (mindestens CHF 100 Mio.), Tracking Difference (wie genau wird der Index abgebildet?), Replikationsmethode (physisch oder synthetisch), Domizil (Schweiz, Irland, Luxemburg haben Vorteile), und Ausschüttung vs. Thesaurierung.

Bei Schweizer Anlegern sind thesaurierende ETFs oft steuerlich vorteilhafter. Auch die Währung ist relevant – achten Sie auf CHF-hedged Varianten bei internationalen ETFs, wenn Sie Währungsrisiko vermeiden wollen, oder nehmen Sie bewusst Währungsrisiko als Diversifikation.

Fazit: ETFs für die meisten Anleger optimal

Für die Mehrheit der Privatanleger sind ETFs die bessere Wahl. Sie bieten niedrige Kosten, breite Diversifikation und langfristig überzeugende Renditen. Die Evidenz ist überwältigend: Passive Indexstrategien schlagen langfristig die meisten aktiven Ansätze.

Das bedeutet nicht, dass aktive Fonds grundsätzlich schlecht sind. Aber Sie sollten sehr selektiv sein und sich der höheren Kosten bewusst sein. Bei Alpine Leitlinie kombinieren wir ETF-Kernportfolios mit gezielten aktiven Investments wo sinnvoll. Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Portfolio-Strategie, die zu Ihren Zielen passt.

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